Was „standardisiert auf 20%“ auf dem Etikett bedeutet
Zwei Extrakte mit gleichem Gewicht können zehnmal unterschiedliche Mengen des Wirkstoffs enthalten. Der Standardisierungsgrad ist die Zahl, die das zeigt.
31. August 2026
Auf dem Etikett eines pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittels stehen meist zwei Zahlen: wie viele Milligramm Extrakt in der Dosis enthalten sind und auf welchen Prozentsatz es standardisiert ist. Die erste ist ein Gewicht. Die zweite sagt, was in diesem Gewicht tatsächlich steckt.
Was ein Extrakt ist
Ein Extrakt ist ein mit einem Lösungsmittel aus Pflanzenmaterial gewonnenes Konzentrat. Die Wirkstoffe einer Pflanze machen nur einen kleinen Teil ihrer Gesamtmasse aus — der Rest sind Ballaststoffe, Stärke, Farbstoffe und Wasser. Die Extraktion konzentriert den interessanten Teil, isoliert ihn aber nie vollständig.
„500 mg Grüntee-Extrakt“ ist deshalb für sich genommen keine Information. Diese 500 mg können 25 mg Catechine enthalten oder 250 mg. Das Gewicht ist in beiden Fällen dasselbe.
Was der Prozentsatz bedeutet
Standardisierung ist der garantierte Mindestanteil einer bestimmten Verbindung im Extrakt. „50% EGCG“ heißt, dass die Hälfte der Extraktmasse Epigallocatechingallat ist. Aus 110 mg eines solchen Extrakts erhalten Sie 55 mg EGCG.
Die Rechnung ist eine einfache Verhältnisrechnung:
- Extraktmenge × Prozentsatz = Menge des Wirkstoffs
- 110 mg × 50% = 55 mg EGCG
- 60 mg × 50% = 30 mg Synephrin
Fehlt der Prozentsatz auf dem Etikett, lässt sich diese Rechnung nicht anstellen. Das ist auch der Grund, warum ein Hersteller ihn angibt, wenn es etwas zu zeigen gibt.
Ein Beispiel: die weiße Bohne
Extrakt aus der weißen Bohne (Phaseolus vulgaris) wird auf Phaseolamin standardisiert. Die üblich angebotene Marktqualität wird mit 2% Phaseolamin deklariert. Unsere liegt bei 20%.
Bei gleichem Gewicht ist das ein zehnfacher Unterschied im Phaseolamin-Gehalt. Die Abbildung am Anfang dieses Artikels stellt beide Werte auf derselben Skala dar.
Wie Sie das prüfen
Nehmen Sie ein Etikett und suchen Sie drei Angaben nebeneinander:
- den lateinischen Namen der Pflanze und den verwendeten Teil — Wurzel, Rinde, Blatt, Frucht
- das Gewicht des Extrakts in Milligramm pro empfohlener Tagesdosis
- den Prozentsatz und auf welche Verbindung er sich bezieht
Fehlt eine der drei Angaben, reichen die anderen beiden für einen Vergleich zweier Produkte nicht aus.
Was der Prozentsatz nicht sagt
Standardisierung beschreibt die Zusammensetzung, nicht die Wirkung. Sie erlaubt es, zwei Etiketten miteinander zu vergleichen, mehr nicht. Ein hoher Prozentsatz macht aus einem Nahrungsergänzungsmittel kein Arzneimittel — Nahrungsergänzungsmittel heilen oder verhüten keine Krankheiten und sind dazu bestimmt, die normale Ernährung zu ergänzen.




